Schluss mit den Billig-Produktionen!

Der Urlaub ist gebucht und ich freue mich riesig darauf! Mein Vorhaben mit der eigenen Firma bereitet mir allerdings Kopfzerbrechen, denn schon jetzt treten mehr Komplikationen als erwartet auf – und ich habe ja schon einige erwartet. Das größte Problem scheint mir, die coolen Leute abzuwerben, die zur Zeit noch bei anderen Unternehmen tätig sind. Ich kann einfach keine Gehälter in diesem Ausmaß garantieren, bevor der Laden nicht läuft. Im Moment bekomme ich nicht einmal irgendeinen schnöseligen Drehbuchschreiber an den Start, das ist schon ziemlich frustrierend. Trotzdem bin ich inzwischen entschlossen genug, die Herausforderung anzunehmen und mit meinen Plänen ernst zu machen. Schluss mit den nervigen Billig-Produktionen und auf zur Erfüllung des eigenen Lebenstraums! Den Kredit habe ich schon problemlos aufnehmen können und der Umzug nach Berlin muss jetzt geplant werden. Marlene ist nicht so wahnsinnig begeistert, da sie ihre Familie hier hat und ihre alten Eltern nicht allein lassen will. Bei allem Verständnis – die ältere Generation sollte nicht der Selbstverwirklichung der jüngeren im Wege stehen, also Platz da! Ich fühle mich so voller Elan und Verve, jetzt, da ich mich zu diesem Lebensprojekt entschlossen habe. Auch wenn ich mir jeden Tag selbst Mut zusprechen muss – mein Glaube an Erfolg ist ungetrübt. Mit Marlene gehe ich demnächst mal wieder schön romantisch essen und hoffe darauf, dass sich ihre Meinung zu dem Thema ändert. In solchen Zeiten kann ich keine hysterische Meckerei gebrauchen. Sie könnte auch gerne in der Firma arbeiten, wenn sie denn will. Eine zuverlässige Buchhalterin kann man immer gut gebrauchen. Den See werde ich vermissen, er war schließlich mein treuer Begleiter in den letzten zehn Jahren. Nun ja, kein Grund, um nostalgisch zu werden.

Am Bodensee rumcruisen…

Ach das mit der eigenen Firma ist schon so ‘ne Sache. Da fragt man sich schon mal nach der Effizienz des eigenen Vorhabens und dem Kosten-Nutzen-Ausgleich. Wäre in Deutschland nur nicht alles so kompliziert und bürokratisch! Zudem will ich ja eigentlich gar nicht aus Konstanz weg, es ist einfach zu schön hier am Bodensee! Bevor ich mir mein hübsches Köpfchen über die Firma zerbreche, planen Marlene und ich jetzt erst einmal unseren Urlaub in Norwegen. Norwegen ist mein allerliebstes Lieblingsland zum Urlaub machen. An den einsamen Küsten kann man sich von diesem ganzen Fernseh-Rummel mal so richtig schön erholen. Danach geht’s dann immer noch besser gelaunt und tiefen-entspannt wieder an die Arbeit. Die haben auch hammergeile selbstgestrickte Mützen dort drüben in Norwegen. Das ist ja mein kleiner Tick – ich sammele Kopfbedeckungen. Und das ist gar nicht so langweilig, wie es jetzt im ersten Moment rüberkommt. Das blöde an Strickmützen ist nur, dass ich damit immer aussehe wie Sido. Daher bevorzuge ich Baskenmützen, um mein Haupt zu schmücken. Ohne Mütze fühle ich mich auch einfach so nackig. Die coolste Mütze ist natürlich meine Vfl Wolfsburg-Mütze, also die ist echt große Klasse. Bei jedem Spiel sitzt die auf meinem Kopf und manchmal auch einfach mal so. Ich bin eben mit Leib und Seele Wolfsburg-Fan. Wo wir gerade bei Sachen sind, die ich gerne mag – auf Elektroautos fahr ich auch total ab. Die Idee dahinter ist einfach genial! Wenn ich mal mehr Kohle habe hole ich mir eins! Dann kann ich schick ganz ohne Co2-Emission und den ganzen Schnickschnack ganz umweltfreundlich hier am schönen Bodensee rumcruisen. Aber an Geld ausgeben ist ja gerade nicht zu denken, wenn ich die Ideen für meine Firma in nächster Zeit realisieren möchte.

Kredit für meine eigene Produktion

Ja, bei meinem Job muss man privat ziemlich oft zurückstecken. Gott sie Dank hat meine Frau Marlene dafür Verständnis. Nur dieses eine Mal, als ich für die Produktion einer Sendung über schwer erziehbare Teenager für über ein halbes Jahr in die Sahara gereist bin, war sie wirklich sauer. Weniger deshalb, weil ich so lange weg war als wegen der Tatsache, dass die Produktion ihrer Ansicht nach „menschenunwürdig“ war. Ich gebe zu, sechzehnjährige Drogenabhängige bei vierzig Grad Hitze in einem Bootcamp zu drillen, ist nicht die feine englische Art. Zu meiner Verteidigung: Ich produziere schlichtweg das, was die Zuschauer sehen wollen! Und deren Geschmack ist und war immer schon von der perversen Sorte. Seit Jahren möchte ich nun schon ins Bildungsfernsehen gehen, doch selbst bei den öffentlich-rechtlichen wird man nicht mehr angemessen bezahlt. Die Assi-Teenies bringen mir einfach mehr Geld ein als eine Geschichts-Doku über das Römische Reich. Traurig, traurig, wird der geneigte Leser sich jetzt denken. Willkommen in der Realität meine Lieben! Um diesen Schrott für die privaten Sender nicht mehr produzieren zu müssen, will ich jetzt meine eigene Produktionsfirma starten. Ich kenne die richtigen Leute – allerdings müsste ich für den Start einer wirklich erfolgreichen Firma nach Berlin ziehen, weil da die wirklich wichtigen und anspruchsvollen TV-Teams sitzen. Außerdem fehlt mir die Knete für den Aufbau eines Unternehmens. Gerade mache ich mich im Internet kundig, wo ich möglichst schnell und günstig einen Kredit bekommen könnte: bei www.smava.de bin ich fündig geworden, dort scheinen die Konditionen gut zu sein. Auf jeden Fall bräuchte ich einen größeren Kredit, um das alles finanzieren zu können, was ich mir in mein hübsches Köpfchen gesetzt habe.